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02. November 2024

Warme Westen


Als ich mit dem Schreiben dieses Blogbeitrags begonnen habe, fand ich mich plötzlich im Wirrwarr der Begrifflichkeiten: Ist eine Weste dasselbe wie ein Gilet? Ist es nur eine Weste, wenn es offen getragen werden kann oder Knöpfe hat? Warum findet man unter «vest» auf Ravelry auch das, was ich im Englischen eigentlich als «slip over» bezeichnen würde? Und warum heissen im Französischen auch Strickjacken (mit Ärmeln) «gilet»? Fragen über Fragen und mir hat der Kopf ein bisschen geraucht! Schlussendlich lässt es sich aber ganz einfach auf den Punkt bringen: Die Westen, über die wir hier sprechen wollen, sind eigentlich einfach ärmellose Strickjacken, die optional Knöpfe haben oder einfach offen getragen werden.

Während wir heute Westen als modisches Kleidungsstück betrachten, das uns (gerade in der gestrickten Variante) schön warmhält, ohne zu warm zu sein, und ausserdem dank der fehlenden Ärmel auch besser unter einen Mantel passt, geht die Geschichte der Weste weit in die Vergangenheit zurück. Im 17. Jahrhundert zum ersten Mal erwähnt und damals in einer langen Variante und genäht aus verzierten, schweren Stoffen, hat sie erstmal nur die Herren (!) durch den Lauf der Jahrhunderte begleitet und wurde vom Statussymbol zum modischen Klassiker (vor allem als Bestandteil des Dreiteilers). Als noch männlich konnotiertes Kleidungsstück wurden klassische Weste von Frauen zunächst im Rahmen eines androgynen Kleidungsstils getragen um dann sich aber später auch in lässigeren Versionen für alle zu präsentieren (gerne dann auch in gestrickten und gehäkelten Varianten). Heute gibt es Westen in allen Farben, Formen und Funktionen – unsere liebsten sind natürlich diejenigen aus Wolle!

Und natürlich ist auf meinen Nadeln (und damit mitten im aktuellen Chaos, das Familie & Hochsaison so mit sich bringen) auch gerade eine Weste! Die Drift Vest von Purl Soho ist eine kostenlose Anleitung, leider aber nur auf Englisch verfügbar. Da die Anleitung aber wirklich recht simpel gehalten ist, könnt ihr den Anweisungen bestimmt auch ohne allzu fundierte Englischkenntnisse folgen. Die Einfachheit war übrigens der Hauptgrund dafür, mich für dieses Modell zu entscheiden, denn mein Garn braucht keinerlei Muster! Die Drift Vest beginnt man am hinteren unteren Rücken, strickt dann gerade nach oben (mit Abnahmen für die Ärmel), formt die Schultern mit verkürzten Reihen und strickt dann die Vorderteile separat fertig. Am Schluss werden die Seitennähte geschlossen und die Weste mit einem I-Cord umrandet (dafür kann man dann z.B. auch eine Kontrastfarbe verwenden). Was da auf dem Bild so flauschig neben meiner neuen Tasse liegt, ist übrigens die Royal Alpaca von Lana Grossa. Normalerweise hält sich meine Begeisterung immer sehr stark in Grenzen, wenn ein Garn auch nur den kleinsten Hauch einer Kunstfaser enthält. Diese Garn jedoch ist SO WEICH, dass es trotz 7% Polyamid (das ist der Trägerfaden) sofort auf meinen Nadeln gelandet ist. Jetzt freu ich mich schon auf meine neue Weste, die hoffentlich ganz bald fertig sein wird – das Rückteil zumindest war in zwei kleinen Abendstrickrunden (die bei mir meist erst so gegen 22 Uhr beginnen) schon fast fertig. Wenn ihr auch Lust habt, dieses Garn zu verstricken, aber euch lieber nicht an eine englische Anleitung wagen möchtet, könnt ihr das Modell auf dem Bild in der Mitte stricken. Es stammt aus dem Easy Heft von Lana Grossa und kommt ohne grossen Schnickschnack aus. Bei uns im Shop findet ihr das Strickset mit kostenloser Anleitung! Wem diese beiden Modelle etwas zu minimalistisch sind, der findet bei My Favourite Things Knitwear verschiedene Westen-Modelle mit etwas mehr Details, für dicke, voluminöse Garne z.B. die Vest No 5 ( diese Anleitung ist allerdings auch nur auf Englisch erhältlich!). Diese Weste mit praktischen (und hübschen) Taschen und einem V-Ausschnitt könnt ihr aus Snefnug kombiniert mit einem Mohair-Seide-Garn stricken.
© Purl Soho
© Lana Grossa

© MFTK

Natürlich muss es nicht immer so schlicht sein, man kann seine Westen durch Strukturmuster interessant gestalten – gerade wenn man bei neutralen Farben bleibt, wirken sie dann immer noch sehr elegant. Denn natürlich gibt es auch das Bild der eher etwas altbackenen Weste, die wenig stylisch getragen wird. Das kann man von diesen drei Modellen aber wirklich nicht behaupten! Die Vest No 8 (wieder von MFTK) mit V-Ausschnitt hat ein all over Zopfmuster und kann aus zwei Fäden Knitting for Olive Merino gestrickt werden (das ist nicht das Originalmaterial, wird in der Anleitung aber als Alternative angegeben). Die Esther Vest von PetiteKnit hat einen Rundhalsausschnitt und ein charakteristisches Diamantmuster, das nur aus rechten und linken Maschen entsteht. Für die Esther Vest haben wir euch ein Strickset mit Como und Piura von Lamana angelegt. Diese Kombination ist dem Originalmaterial sehr ähnlich (aber tatsächlich noch etwas weicher, vermuten wir). Die Maine Vest von Clarissa Schellong ist die dritte im Bunde und wirkt mit dem Kragen eher sportlich. Das Waffelmuster wird nur auf der oberen Hälfte gestrickt und ist so genau richtig dosiert! Ihr könnt dieses Modell aus Como Grande oder Heavy Merino stricken und noch einen Faden mitlaufen lassen (Mohair-Seide oder auch wieder einen dünnen, nicht flauschigen Faden wie z.B. Piura).

© MFTK
© PetiteKnit

© Clarissa Schellong

Nach all dem Grau und Beige sehnen sich manche vielleicht nach etwas Farbe. Voilà: Richtig leuchtend (und auch noch flauschig) wird es mit den Modellen von Lotilda und rosa p.: Die Juna Vest wird dreifädig im Halbpatentmuster gestrickt, im Original hat die Designerin unter anderem Mohair Luxe von Lang verstrickt (ein eher langhaariges, voluminöses Mohair-Seide-Garn). Wenn ihr ein Garn wählt, das noch ein bisschen dicker ist, könnt ihr auch zweifädig stricken (das funktioniert z.B. mit Brushed Alpaca Silk von DROPS).
Für die Erikka Vest von rosa p gibt es nicht nur unzählige Farbmöglichkeiten, sondern auch eine lange und eine kurze Version sowie zwei verschiedene Varianten für die Blende. Die Version in Pink ist auch wieder dreifädig aus Mohair-Seide gestrickt, ihr könnt aber auch ein dickes Bulky Garn verwenden (z.B. Mecha von Malabrigo) oder ein Garn wie Air mit nur einem Faden Mohair-Seide verstricken und so ein kompakteres Strickstück erhalten.
Ein Hauch von nichts ist hingegen die dritte, hellblaue Veste: Die Roma Vest von Mochiknits trägt das Garn schon im Namen und ist ein wirklich edles Stück: Roma wird hier nämlich zusätzlich noch mit einem Faden Premia ergänzt! Bezüglich Farben müssen wir euch hier allerdings ein bisschen enttäuschen bzw. vertrösten, denn während uns vom Hellblau zwar noch ein paar Knäuel bleiben, ist das dunklere Blau bei Lamana gerade nicht lieferbar. Dann gibt’s vielleicht doch wieder eine Weste in fröhlichem Grau?

© Lotilda / Tanja Koenigs
© rosa p. 

© Mochiknits

Ich war in den letzten Tagen so sehr im Westen-Fieber, dass ich euch auch die Instagram-Funde locker mit drei weiteren Modellen hätte füllen können – da aber auch etwas für all diejenigen dabei sein soll, die keine Westen mögen, kommen hier 3 Projekte, die mit Westen überhaupt nichts zu tun haben:

Ein Blick auf eure Bestellungen lässt vermuten, dass die eine oder andere den Roads Sweater von Ozetta schon entdeckt hat und ihn direkt in der Originalfarbe nachstrickt. Ich würd das auf jeden Fall auch tun, die Farbe moosgrün der Como Grande ist einfach wunderschön und passt super sowohl in den Herbst als auch unter den Weihnachtsbaum! Der schlichte Pullover hat hübsche Details wie kleine Rollränder, die die 2re/2li Bündchen abschliessen und eine hübsche Schulterkonstruktion. Das regelmässige Maschenbild mit dem leichten Flausch kommt hier besonders gut zur Geltung.

Das Einsetzen von Reissverschlüssen ist mir persönlich ein Graus, daher habe ich bislang immer einen grossen Bogen um alle Zippersweater gemacht – obwohl ich sie richtig schön finde. Vielleicht könnte B02 von Pia Elverich mein erstes Projekt mit Reissverschluss werden? Der dicke Pullover im Rippenmuster kann aus Friditsgarn oder Kos von Sandnes, Snefnug von CaMaRose oder Air von Drops gestrickt werden. Während er aus Fritidsgarn eher etwas rustikal wird (dafür aber superwarm), sind die anderen Garne (alle drei sind sogenannte blow Garne) eher weich und fluffig. Natürlich gibt es auch ein B01-Modell: Das kann aus denselben Garnen nachgestrickt werden, verzichtet aber auf einen Reissverschluss (dafür gibt’s einen Rollkragen).

Und für alle, die sich gerade lieber keinen dicken Outdoor-Pullover stricken möchten, sondern eher nach etwas feinerem suchen, gibt es ein neues Modell von Hinterm Stein: Artwork ist so fein und elegant wie alle ihre Designs, hat ausgeklügelte Details wie das hübsche Muster am Rücken und wirkt einfach richtig sophisticated! Die bei Ravelry aufgeführten Garne variieren zwischen Fingering, Sport und DK-Stärke, ich würde mich für dieses Modell z.B. für die Como Cashmere entscheiden (die bringt auf jeden Fall auch einen Hauch von Luxus mit sich, der diesem Modell gut steht!).

Tasse leer? Das wars schon wieder! Wir wünschen euch ein wunderbar-chaotisches Wochenende!

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