15. März 2025
Strickpannen
Meistens sind unsere Strickprojekte ja
eine Quelle der Freude - und das sollen sie auch sein, denn immerhin
ist das Stricken nicht Pflicht sondern Vergnügen. Dennoch kann sich beim
Stricken ab und zu mal ein kleiner Misston einschleichen – sei es wegen einer
schlecht gewählten Anleitung, einer Wolle, die nicht das ist, was man sich
erhofft hat oder einem Strickstück, das einfach nicht passen will. Die Gründe für eine (vorübergehende) Strickkrise sind
vielfältig. Bei meiner roten Jacke auf dem Bild unten (Cardigan No 9 von My Favourite Things Knitwear) ist letzte Woche so viel schiefgelaufen,
dass sie vorübergehend zur Katastrophen-Jacke erklärt wurde. Aber (kleiner
Spoiler): Am Ende war doch alles gut und ich trage die Jacke sehr gerne!
Am Anfang des kleinen Dramas steht der Wunsch nach einer knallroten Jacke, die als Messe-Outfit in Köln dienen soll. Schliesslich ist es wichtig, von seiner Reisegruppe jederzeit gesehen und wiedergefunden zu werden! Für mich schon fast untypisch früh (noch in den Weihnachtsferien!) habe ich das Projekt begonnen. Selbstverständlich mit einer Maschenprobe, die ordnungsgemäss gewaschen und getrocknet wurde und dann erfreulicherweise perfekt gepasst hat. So weit so gut, da ja noch so wahnsinnig viel Zeit war, wurde noch das eine oder andere kleine Projekt dazwischengeschoben und ganz plötzlich stand der Termin vor der Türe, ohne dass die Jacke fertig war. Aber kein Problem, schliesslich bin ich geübt darin, meine Sachen in letzter Sekunde und unter Druck noch fertig zu stricken und so war ich am Tag vor der Abreise erst noch ganz entspannt mit dem italienischen Abketten der endlos scheinenden Blenden beschäftigt...
Als Krönung folgte dann die Halsblende, die vermeintlich schnell gestrickt ist, aber dann nicht nur eine mir viel zu kleine Nadelstärke forderte, sondern für eine Ziernaht im Doppelstrick auch noch die Verdoppelung der Maschen. Und hier muss ich eine kleine Warnung aussprechen: Die Beschreibung scheint nicht ganz korrekt zu sein, sodass man (wenn man abhebt wie beschrieben) schlussendlich verdrehte Maschen auf den Nadeln hat. Unter Zeitdruck habe ich mich entschieden das zu ignorieren, normalerweise hätte ich im Zweifelsfalls erstmal bei Ravelry nachgelesen, ob auch andere hier Probleme hatten…
Natürlich ging dann auch noch beim italienischen Abketten (das ich übrigens ohne den Mohair Faden gemacht habe, man muss sich ja das Leben auch nicht unnötig schwer machen) 10 Maschen vor Schluss noch die Wolle aus. Zum Glück hingen an der Jacke überall noch lange, unvernähte Fäden, aus denen ich mir dann noch einen genügend langen Faden zusammensetzen konnte. Als das gute Stück dann endlich soweit fertig war, dachte ich mir, dass ich es doch noch KURZ WASCHEN KÖNNTE. Sobald es begann, sich so richtig vollzusaugen, fiel mir auch schon auf, dass das 18 Stunden vor Abreise wohl eine ganz schlechte Idee gewesen ist. Mit Hilfe von vielen Tüchern und einem Fön habe ich die Jacke dann immerhin soweit trocken bekommen, dass sie nicht mehr klatschnass, sondern nur noch sehr feucht war und sich gut verpackt transportieren liess. Die Deutsche Bahn bescherte der Jacke dann grosszügigerweise viel Zeit um zwischen den Sitzen weiterzutrocken und der Kofferständer im Hotelzimmer sorgte dann noch fürs finale Trocknen.
Doch die Geschichte ist noch nicht ganz zu Ende, denn als die nasse Jacke zum Trocknen da lag, zeigte sich, dass der rechte Ärmel und die linke Schulter deutlich dunkler wirkten als der Rest der Jacke. Ein panisches Wühlen in den nur provisorisch entsorgten Banderolen zeigte, dass sich tatsächlich ein Knäuel eines anderen Farbbades eingeschlichen hatte - was sich gerade im nassen Zustand erstaunlich klar zeigte. Bei der trockenen Jacke ist es nun nur noch bei genauem Hinsehen zu erkennen und diese, mit all ihren kleinen Fehlern, bereits ein Lieblingsstück.
- Es lohnt sich, etwas Zeit zu investieren um die Rückmeldungen anderer Stricker*innen zur Anleitung auf Ravelry anzuschauen (sofern vorhanden). Existieren diese noch nicht, sollte man nicht einfach stur weiterstricken, wenn einem in der Anleitung etwas komisch vorkommt, sondern mitdenken.
- Das Trocknen eines grossen Strickstücks braucht seine Zeit. Damit es nicht ganz so lange dauert, kann man das Strickstück in der Waschmaschine ganz vorsichtig "anschleudern". Das Fönen des Strickstücks ist nicht unbedingt zu empfehlen :-)
- Farbbäder können einen ganz schönen Unterschied machen, auch beim Beilaufgarn. Wenn man also verschiedene Farbbädern verarbeiten muss, dann unbedingt geschickt platzieren. Wenn ihr die Wolle nicht selber bei uns aus den Regalen fischt und dabei auch die Restknäuel einpackt (so wie ich), sondern sie ordnungsgemäss im Laden oder Shop kauft, erhaltet ihr sowieso niemals verschiedene Farbbäder!
- Und was natürlich allen klar ist: genug Zeit einplanen für dein Strickprojekt und dabei nicht ignorieren, dass auch die letzten Schritte ihre Zeit benötigen.
Was sonst noch schiefgehen kann
Manche Probleme lassen sich beheben, in dem man dem Strickstück ein neues Zuhause sucht, anderes muss man wohl einfach hinter sich lassen und versuchen, es beim nächsten Strickprojekt besser zu machen!
Auch der Nyhavn Sweater von Lisa und Bella, die hinter dem Label wemadewardrobe stehen, wäre ein guter Begleiter für 90 Minuten (und das was dann noch dazu kommt) am Fussballfeld. Ich überlege gerade, ihn mir passend zu unserer Teamfarbe in einem knalligen Türkis zu stricken? Der Pullover wird mit der krausen Seite nach aussen getragen, das Besondere ist ein kleines Herz oder Alpaca, das auf der Brust eingestrickt wird. Solche Details liebe ich einfach! Das Originalmaterial ist leider auch für uns als Händler nicht so einfach zu bekommen, die Anleitung gibt aber Peer Gynt (ohne Beilaufgarn) oder Karisma plus Kid Silk als Alternativen an. Ich fände hier eine Kombination aus Lima und Kid Silk fast noch ein bisschen schöner…